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1. Lebendfotos
1.1. Männchen
1.2. Weibchen
1.3. Kopula
1.4. Fraßspuren und Befallsbild
1.5. Puppe
1.6. Ei
2. Diagnose
Die Falter sind kaum von Chamaesphecia empiformis zu unterscheiden. Deren Raupen leben aber nur in der Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias). Somit ist das verlässlichste Bestimmungskriterium die Nahrungspflanze der Raupe.
Links: Chamaesphecia empiformis: Baden-Württemberg, Hohenhaslach
Rechts: Chamaesphecia tenthrediniformis: Hessen, Kornsand [Daniel Bartsch]
3. Biologie
3.1. Habitat
3.2. Raupennahrungspflanzen
3.3. Nahrung der Raupe
- [Euphorbiaceae:] Euphorbia esula (Esels-Wolfsmilch)
- [Euphorbiaceae:] Euphorbia salicifolia (Weidenblättrige Wolfsmilch)
Die Raupen leben im Wurzelstock von Esels-Wolfsmilch (Euphorbia esula) bzw. Weidenblättriger Wolfsmilch (Euphorbia salicifolia).
3.4. Verhalten
Die Falter halten sich in unmittelbarer Umgebung der Nahrungspflanze auf, und sind - auch bei warmem Wetter - recht träge und kaum scheu, sodass sie sich sogar auf den Finger nehmen lassen.
4. Weitere Informationen
4.1. Andere Kombinationen
- Sphinx tenthrediniformis Denis & Schiffermüller, 1775 [Originalkombination]
4.2. Synonyme
- Sesia taediiformis Freyer, 1836
4.3. Taxonomie
Was ist Sphinx tenthrediniformis Denis & Schiffermüller, 1775 ? Naumann & Schröder (1980: 31) trugen zusammen: „Locus typicus: Umgebung Wien (ohne nähere Einschränkungen). Die Urbeschreibung enthält, dem damaligen Brauch vieler Autoren entsprechend, kaum differenzierende Angaben. Die Autoren führen lediglich unter der Abteilung F. ihrer ersten „Gattung der Schmetterlingsordnung“ „F. Milchhaarraupen. Larvae subpilosae. — Glasflügelichte Schwärmer. Sphinges hyalinae. Les Sphinx-mouches Geoffr.“ in einer Aufzählung von 8 Arten unter Nr. 6 folgendes an: „6. Unbek. R. – – – – – – – Schlupfwespenähnl. Schw. Sph. Tenthrediniform.“ Nähere Angaben zur Deutung dieses Namens finden sich u.a. bei WERNEBURG 1864: 369ff, 498 ff.“
Die Beschreibung der Sphinx tenthrediniformis durch Denis & Schiffermüller (1775: 44) war also mehr als dürftig - und die Sammlung mit dem Typenmaterial im kaiserlichen Naturalienkabinett in Wien wurde mit den Wirren der Revolution von 1848 komplett zerstört. Wir können heute also kein Typenmaterial mehr studieren. Auch Werneburg (1864: 498-499) konnte das schon nicht mehr. Aber zum Glück konnten andere vorher diese Sammlung sehen, und Werneburg (1864: 498-499) trug zusammen, was sie gesehen hatten: „Das erste und richtigste Zeugniss über Tenthrediniformis W.V. giebt wieder Schrank a.a.O. Er nennt sie „braun; am Rücken beiderseits ein länglicher Streif und drei Hinterleibsringe gelb. Die Vorderflügel (fährt er fort) undurchsichtig, übrigens wie die vorige Art (Ichneumoniformis nur dass sie blassgelb sind, wo die vorigen durchsichtig waren.““ Werneburg (1864: 499) schließt daraus: „Diese Beschreibung kann ohne Zwang auf Tenthrediniformis O. angewendet werden, denn bei dieser sind öfters nur drei Hinterleibsringe gelb und in manchen Stücken sind die Oberflügel ganz gelb überpudert und in sofern undurchsichtig.“ Werneburg (1864: 499) wechselt zum nächsten Autor: „Fabricius Beschreibung kann als Ergänzung der Schrank'schen angesehen werden. Er sagt: „alis fenestratis: margine omni fasciaque nigris, capite, thoracisque lateribus abdominisque barbati cingulo fulvo. - Parva. Antennae nigrae. Caput thoracisque latera fulva. Pedes fulvi, geniculis nigris.“ Indem er die Sesie klein und ihren Flügelsaum schwarz nennt, kann er jedenfalls nicht Hylaeiformis O. gemeint haben. Dass er nur von einem gelben Hinterleibsringe spricht, lässt sich so erklären, dass zwei von den dreien, die Schrank sah, inzwischen verölt waren; denn Fabricius sah die Schiffermüller'sche Sammlung zwei Jahre später als Schrank. Dass er aber für die gelben Theile den Ausdruck „fulvus„“ gebraucht, mag wohl nur auf einem Schreibfehler beruhen, wie deren öfter bei Fabricius vorkommen. [...] Jedenfalls ist die Annahme eines solchen Schreibfehlers eher zulässig, als die, dass Fabr. S. Formicaeformis Esp vor sich gehabt habe.“ Werneburg (1864: 499) fährt fort: „Erwägt man hierzu noch, dass Ochsenheimer in der Schiffermüller'schen Sammlung drei unzweifelhafte Exemplare seiner Tenthrediniformis als Tenthrediniformis W.V. vorfand, so dürfte es unbedenklich sein, beide identisch zu halten. Man hat zwar gegen Ochsenheimers Angabe eingewendet (Stett. Ent. Zeit. 1856 p. 223), dass Ochsenheimer über Tenthrediniformis nicht im Klaren gewesen sei, vielmehr Braconiformis H.S., Astatiformis H.S. und ähnliche Arten darunter mit begriffen. Allein diese Annahme möchte schwer zu begründen sein. Ochsenheimers Beschreibung bezeichnet Empiformis Esp. ganz gut und wenn auch die von ihm dazu beschriebene Varietät die S. Braconiformis H.S. wäre, wie Staudinger a.a.O. annimmt, so bewiese das eben nur, dass Ochsenheimer Empiformis Esp. genau kannte, denn sonst hätte er Braconiformis nicht als abweichend davon gefunden.“
Sphinx tenthrediniformis Esper, 1792 ist sicher etwas ganz anderes, nämlich ein Synonym zu Synanthedon formicaeformis.
Chamaespecia tenthrediniformis (Denis & Schiffermüller, 1775) wurde sehr lange als Synonym zu Chamaespecia empiformis (Esper, 1793) gestellt. Naumann & Schröder (1980: 31) merkten dazu an: „Im mitteleuropäischen Schrifttum (z.B. Werneburg 1864, Bartel 1912, Dalla Torre & Strand 1925, Gaede 1933) wurden diese beiden nominellen Arten i.a. synonymisiert, wobei dem jüngeren subjektiven Synonym empiformis in der Regel der Vorzug gegeben wurde. Naumann (1971, 1977) wies auf diesen Widerspruch hin und trat aus Prioritätsgründen für eine Wiederbelebung des Sphinx tenthrediniformis [Denis & Schiffermüller], 1775, ein. Hierbei wurde davon ausgegangen, daß in mitteleuropäischen Euphorbia-Beständen nur eine einzige Chamaesphecia-Art lebe.“ Dann aber kam die Aufklärung - eben durch Naumann & Schröder (1980: 31), dass es sich hier doch um 2 verschiedene Arten handelt. Da es für Chamaespecia empiformis (Esper, 1793) noch einen Syntypus gab, wurde dieser zum Lectotypus erklärt und für C. tenthrediniformis aus der Wiener Gegend ein Neotypus gewählt, der zur anderen Art gehört: „Neotypus ♂ (Abb. 1): „Moosbrunn, Wiener Becken, leg. Schroeder“ — „ex Euphorbia esula, em. 6.3.1964“ - „NEOTYPUS ♂, Sphinx tenthrediniformis [Denis & Schiffermüller], 1775, Ank. syst. Verz. Schmett. Wien.: 44 no. 6, teste C.Naumann & D. Schroeder, 1980“. - Der Neotypus wird mit der Publikation der Entomologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien zur Verwahrung übergeben. Weiteres vorliegendes Material (Para-Neotypen): 2 ♂♂ 1 ♀ von der gleichen Lokalität wie der Neotypus, ebenfalls aus Euphorbia esula gezogen, jedoch mit den Schlupfdaten 24.2., 26.2. und 7.3.1964 in coll. NHMW, coll. Naumann (Bielefeld) und coll. Witt (München). — ♂♂ und ♀♀, Laxenburg b. Wien, coll. 25.9.1968, ebenfalls aus Euphorbia esula gezogen."
Bei Wien kamen und kommen sowohl Ch. tenthrediniformis als auch Ch. empiformis vor. Zu welcher der beiden nah verwandten Arten die Tiere von Denis & Schiffermüller tatsächlich gehörten, lässt sich nicht mehr klären. Durch die Neotypus-Festlegung haben wir jetzt aber Stabilität in der Nomenklatur.
(Autor: Erwin Rennwald)
4.4. Faunistik
Bisi & Lupi (2021) nahmen die Art mit Vorbehalt in ihren ["Catalogo dei Lepidotteri d'Italia Ropaloceri ed Eteroceri (Insecta: Lepidoptera)"] auf; sie formulieren in ihrer [Anmerkung dazu]: "dubbia per il Nord italia a causa di esemplari di incerta determinazione (Balletto et al. 1995); dubbia per Laštůvka & Spatenka (1996) e Parenzan & Porcelli (2006); dichiarata assente da de Jong et al. (2014)."
(Autor: Erwin Rennwald)
4.5. Literatur
- Erstbeschreibung: [Denis, M. & J. I. Schiffermüller] (1775): Ankündung eines systematischen Werkes von den Schmetterlingen der Wienergegend herausgegeben von einigen Lehrern am k. k. Theresianum. 1-323, pl. I a+b, Frontispiz. Wien (Augustin Bernardi). — Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München: [44].
- Neotypus-Festlegung: Naumann, C.M. & D. Schröder (1980): Ein weiteres Zwillingsarten-Paar Mitteleuropäischer Sesiiden: Chamaespecia tenthrediniformis ([Denis & Schiffermüller], 1775) und Chamaespecia empiformis (Esper, 1783). — Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen, 32 (1/2): 29-46. [PDF auf zobodat.at]
- Werneburg, A. (1864): Beiträge zur Schmetterlingskunde. Kritische Bearbeitung der wichtigsten entomologischen Werke des 17. und 18. Jahrhunderts bezüglich der darin abgehandelten europäischen Schmetterlinge. — 2 Bände; Erfurt. [Digitalisat auf digitale-sammlungen.de]
- Whitebread, S., Bartsch, D., Blöchinger, H., Bryner, R., Guenin, R., Hirschi, W., Pühringer, F., Sauter, W., Schmid, J. & P. Sonderegger (2000): Chamaesphecia tenthrediniformis. — In: Pro Natura – Schweizerischer Bund für Naturschutz (Hrsg.) (2000): Schmetterlinge und ihre Lebensräume. Arten, Gefährdung, Schutz. Schweiz und angrenzende Gebiete. Band 3: 247. Egg (Fotorotar AG).




























































